
Die dem Hl. Benno von Meißen geweihte römisch-katholische Pfarrkirche steht in der Wettinstraße 15 im Ortsteil Triebischtal der Stadt Meißen. Die neugotische Hallenkirche entstand 1885–1887 nach einem Entwurf des Baumeisters Friedrich Wilhelm Dürichen.
Erstmals nach der Reformation feierte zur Weihnacht 1764 ein Jesuit aus Dresden in einem Wohngebäude in Meißen einen katholischen Gottesdienst. Im Januar 1786 kaufte Camillo Marcolini im Auftrag von Friedrich August III. das Haus Burgstraße 11 in der Altstadt von Mei- ßen und ließ eine katholische Kapelle einrichten. Dort wurde 1837 eine katholische Schule eröffnet. – 2012 feierten wir das 225 jährige Jubiläum. Glauben in Meißen. Zum Gedenken wurde eine Tafel an der Burgstr. 11 angebracht. Die schlechten Bedingungen der im Haus Burgstraße 11 untergebrachten Schule veranlassten das Apostolische Vikariat Dresden, das Bistum Meißen wurde erst 1921 wiedererrichtet, zu Beginn des Jahres 1881 das Flurstück 1192 neben der Porzellanmanufaktur für den Bau eines Schul-, Pfarr- und Kapellenhauses zu erwerben. Dies machte sich auch erforderlich, weil durch die vielen zugezogenen Christen einfach der Bedarf bestand.
Porzellanmanufaktur und Jutespinnerei benötigten immer mehr Arbeitskräfte, welche sich auch in Meißen ansiedelten, darunter befanden sich nicht wenige Katholiken.
Am 26. Mai 1883 erfolgte die Grundsteinlegung für das künftige Gemeindezentrum. Bereits im Herbst 1883 wurde das Pfarr- und Schulhaus eingeweiht. Am 19. Mai 1885 erfolgte die Grundsteinlegung für die Kirche, am 19. Mai 1887 ihre Segnung und am 6. November 1887 ihre Konsekration durch Bischof Franz Bernert. Im Zuge von Umbau- und Renovierungsmaßnahmen 1959 wurde die ursprüngliche Ausstattung wesentlich verändert. Der Architekt Arthur Becker plante einen klar strukturierten Innenraum. Kanzel und Hochaltar wurden entfernt, ebenso die neogotischen Verzierungen am Orgelprospekt, am Marienaltar und an den Stationen des Kreuzwegs.
Über dem Altar schwebt eine Christusfigur (Christus der Auferstandene) aus Meißner Porzellan, ein Werk von Friedrich Press. Die farbigen Fenster des Altarraumes wurden von Many Jost gestaltet – eine farbige, symbolische Darstellung der Dreieinigkeit Gottes. Aus der lichten, goldfarbenen Mitte tritt Christus, der verklärte Herr, auf die Gemeinde zu. Er lädt ein zur Begegnung mit Ihm. Das Fenster über dem Taufstein zeigt Symbole der Sakramente, das Fens- ter über dem Tabernakel Symbole aus dem Leben des heiligen Benno. Beide Fenster wurden zur 100-Jahr-Feier der Kirche neu gefasst.
Am 15. August 2002 wurde die Kirche beim Hochwasser stark beschädigt, der Fußboden stand über einen Meter unter Wasser. Die Neugestaltung wurde von Dombaumeister Günter Donath umgesetzt.
Die Altarinsel wurde bei der Renovierung 2003 vorgezogen, sodass sich die Gemeinde besser um den Altar versammeln kann. Die Kirchenbänke sind nunmehr auch halbkreisförmig angeordnet. Der Altar, ursprünglich von der Größe eines Opferblocks, wurde verkleinert, sodass die Tischform deutlicher wird.
Am 19. Oktober 2003 konsekrierte Bischof Joachim Reinelt den neu gestalteten Altar.
Auf der linken Seite ist nun der Ort des Tabernakels. Er steht nicht auf einer Stele, sondern in einem der Neugotik nachempfundenen Sandstein, der sich wie eine Tür zum Betenden hin öffnet.
Die Säulen und Gewölbe sind steinfarben gehalten und öffnen den Kirchenraum nach oben. Lediglich die Schluss-Steine und das Joch über der Altarinsel wurden farbig gefasst.
Die Fresken des Görlitzer Künstlers Dr. Nawroth, Maria und Johannes den Evangelisten darstellend, wurden erhalten, saniert und geben Zeugnis von der Umgestaltung der Kirche zu Ende der 50er Jahre.
Die Marienstatue von Heinrich Thein, die lange im Pfarrhof jeder Witterung ausgesetzt war, lädt nun an der rechten Säule vor der Altarinsel zum Verweilen ein. Am Ort der bisherigen Beichtstühle wurde rechts ein Beichtraum geschaffen, links eine Kapelle, in der die Statue des Hl. Benno, ebenfalls von Heinrich Thein, steht. Das gefurchte Antlitz deutet auf die Last seines Dienstes: St. Benno starb mit 96 Jahren, 40 Jahre war er Bischof in Meißen. Fisch und Schlüssel, die Attribute der legendären Schlüsselauffindung, hält er in Händen. Diese Kapelle will auch das Gedenken an unsere verstorbenen Priester und Gemeindemitglieder wachhalten.
Im Pfarrhaus wurde ein kleiner Gemeinde- und Jugendraum eingerichtet. Ebenfalls befinden sich dort die Wohnungen von Pfarrer und Kaplan. Und unser Pfarrbüro für die gesamte Pfarrei
In der ehemaligen Schule ist das Kinderhaus Franziskus in Trägerschaft des Caritasverbandes Meißen e.V. untergebracht, welches für über 60 Kinder eine beliebte Einrichtung ist.
Unser Gemeindeleben wird von vielen unterschiedlichen Aktivitäten und Gruppen geprägt. Hier nur in wenigen Stichpunkten, einige der vielen lebendigen Bausteine: Jugendarbeit, Ministranten, Kinder – Kindersamstage / RKW, Vorbereitungskurse – Firmung / Erstkommunion, Kirchenchor Wilsdruff Meißen, Kolping, Kleinkindgottesdienste, Lektoren u. Diakonatshelfer, Caritas, Familienkreise, Senioren, vielfältige ökumenische Veranstaltungen, Gastgeber für Pilger-u. Wallfahrergruppen, …
Auch in St. Benno Meißen könnte so manches besser sein – aber eine Gemeinde ist auf die vorhandenen menschlichen Bausteine angewiesen, die mit Gottes Kraft und Güte unsere Gemeinschaft tragen und gestalten.
Der Hl. Benno hat uns den christlichen Glauben vor langer Zeit gebracht – auf diesem Fundament lässt sich Kirche bauen und die frohe Botschaft auch in der heutigen Zeit leben.
Es bleibt eine Aufgabe für uns alle, die Liebe Gottes in dieser Welt spürbar zu machen.
Nach einer Vorlage von W. Hentschel

