Der biblisch begründete Auftrag der
Pfarrei St. Benno, Meißen
„Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen,
denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“
„Gebt ihr ihnen zu essen.“
„Und alle aßen und wurden satt.“
Das Wort Gottes, besonders die frohe Botschaft Jesu, ist uns Christen Maßstab und Richtschnur für unser Leben. Im Hören auf dieses Wort und dem Deuten für unsere Zeit wollen wir Gottes Auftrag an uns erkennen und als biblisch begründeten Auftrag formulieren. Er soll mit den darin enthaltenen Schwerpunkten und Zielen für unsere Pfarrei St. Benno Meißen zur Orientierung dienen.
Die Pfarrei St. Benno umfasst 8 Gottesdienstorte: St. Benno, Meißen; Heiliges Kreuz, Lommatzsch; St. Bernhard, Nossen; St. Pius X., Wilsdruff; Christus König, Radebeul; Heilig Kreuz, Coswig; Heiliger Geist, Weinböhla und die Kapelle St. Agnes im Altenpflegeheim St. Benno, Meißen. Weiterhin zählen zur Pfarrei kirchliche Orte wie z.B.: Caritasverband Meißen e.V.; Sozialdienst katholischer Frauen (SkF), Radebeul; Altenpflegeheim St. Benno, Meißen; Kinderhaus St. Martin, Coswig; Franziskus Kinderhaus, Meißen; Ökumenisches Kinderhaus, Radebeul; Christliche Sozialstation Meißen.
Das Gebiet der Pfarrei ist ca. 700 km² groß und umfasst so unterschiedliche Regionen wie das stark besiedelte, städtisch geprägte Elbtal von Radebeul über Coswig und Weinböhla bis Meißen, die Kleinstädte Wilsdruff, Nossen und Lommatzsch und die landwirtschaftlich ausgerichtete Lommatzscher Pflege mit zahlreichen Dörfern. Im Gebiet der Pfarrei leben ca. 4.400 Christen (12/2023), die zur römisch-katholischen Kirche gehören.
Wir sind, gemessen an der Gesamt-Bevölkerungszahl, nur wenige katholische Christen und wir leben sehr verstreut. Die Kirchen, die Kapelle und die Gemeindehäuser sind unsere Versammlungsorte, in denen wir zusammen kommen, um das Wort Christi, um ihn selbst zu hören und in unterschiedlichen Formen Gottesdienst zu feiern. An diesen Orten ist Kirche und Glauben erlebbar: in vielfältigen Gruppen und Kreisen, in der Katechese, im Religionsunterricht, bei Gemeindefesten … bis hin zur Pfarreiverwaltung. An diesen Orten finden wir Stärkung und Freude für unser Leben, zu dem christliche Berufung, Gemeinschaft und Sendung untrennbar gehören. Diese Orte sind uns wichtig, wir wollen sie erhalten.
Wir sind froh und dankbar für alles, was uns durch Jesus Christus geschenkt ist: den Glauben, die Hoffnung, die Liebe, die Gemeinschaft. Uns ist aber auch bewusst, dass:
- die Christen ihre in der Taufe geschenkte Teilhabe am priesterlichen, königlichen und prophetischen Amt Jesu Christi sehr unterschiedlich wahr und ernst nehmen,
- zahlreiche Brüder und Schwestern trotz bleibender Kirchenzugehörigkeit der Gemeinde fern stehen,
- die Kinder katholischer Eltern, bzw. mit einem katholischen Elternteil, nicht mehr „automatisch“ getauft werden,
- die religiöse Erziehung (inklusive Religionsunterricht und Sakramentenkatechese) nicht mehr selbstverständlich ist,
- die Seelsorge in allen Altersbereichen, besonders im Kinder- und Jugendalter, vielfältigen konkurrierenden Angeboten außerhalb der Kirche ausgesetzt ist,
- unsere Gemeinden von der demografischen Entwicklung beeinflusst werden, d.h in den nächsten Jahren ein steigender Anteil älterer Gemeindeglieder und ein starker Rückgang in den ländlichen Räumen zu erwarten ist,
- der überwiegende Teil der Bevölkerung der christlichen Botschaft gleichgültig gegenübersteht, viele sogar ablehnend,
- zahlreiche Menschen sich an den Rand gedrängt sehen, nicht ernst genommen in ihren Problemen und Ängsten, „abgehängt“ von gesellschaftlichen Entwicklungen,
- der materielle Wohlstand und der kraftzehrende Aufwand, ihn zu erhalten, oftmals alles andere zurücktreten lässt,
- wir in einem Spannungsfeld leben zwischen Armut und Reichtum, Ausbeutung und Bewahrung der Schöpfung, Krieg und Frieden.
Uns ist auch bewusst, dass die Kirche Jesu Christi in ihrer Geschichte Höhen und Tiefen, Licht und Schatten erlebt und zu verantworten hat. Sie ist eine Gemeinschaft aus Menschen, die um das rechte Leben ringen, die zugleich auch schwach und sündig sind. Und sie ist eine heilige Kirche aus Jesus Christus. So sind wir Glaubende, die auf die Gnade Gottes, auf seine Liebe, Barmherzigkeit und Gerechtigkeit angewiesen sind und die zugleich darauf vertrauen, dass Christus als Haupt der Kirche alles vollenden wird.
Die frohe Botschaft Jesu Christi ist uns nicht allein geschenkt. Wir teilen sie mit den Christen anderer Konfessionen. Wir alle sind aufgerufen, Christus gemeinsam zu bekennen und seine Heilung und Heil spendende Botschaft allen Menschen nahe zu bringen. Wir vergessen nicht das, was uns noch trennt, aber wir vertrauen auf den, der uns eint: Christus.
Wir wollen uns dabei am biblischen Ereignis der sogenannten Brotvermehrung (Mk 6,30-44) orientieren:
- der Sammlung durch Jesus Christus, die uns auch heute tröstet, stärkt, ermutigt, erfreut: „Die Apostel versammelten sich wieder bei Jesus und berichteten ihm alles, was sie getan und gelehrt hatten. Da sagte er zu ihnen: Kommt mit an einen einsamen Ort, wo wir allein sind, und ruht ein wenig aus.“ Unsere Versammlungsorte, besonders die Kirchen, sollen offen und anziehend sein.
- der Liebe Jesu Christi zu den Menschen, die sehend und urteilend ist: „Als er ausstieg und die vielen Menschen sah, hatte er Mitleid mit ihnen; denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben.“ Eine Liebe, die auch uns anspornt, stets die Situation der Menschen in unserer Region im Blick zu haben.
- der Botschaft Jesu Christi für die Menschen, die auch heute noch gilt: „Und er lehrte sie lange.“ Jeder Getaufte ist Glied Christi, welcher König, Prophet und Priester ist in Ewigkeit, mit dem Auftrag sich mit seinen Fähigkeiten in die Gemeinschaft der Kirche einzubringen. Wir wollen Sorge dafür tragen, dass Berufungen sich entfalten können und Begabungen gefördert, gebildet und begleitet werden.
- dem Auftrag Jesu Christi an seine Jünger, der auch der unsrige ist, nämlich das Heilsame für Körper und Seele zu erkennen und nach unseren Kräften allen Menschen zu tun: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Jesus traut uns das zu!
- dem Mit-Tun Jesu Christi, auch im Wenigen, das uns nicht verzweifeln lässt: „Darauf nahm er die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern, damit sie sie an die Leute austeilten. Auch die zwei Fische ließ er unter allen verteilen.“ Christus ist auch heute bei uns, er schenkt uns das, was nötig ist und vor allem: Sich selbst!
- der Unterteilung der Menge in überschaubare Gruppen durch Christus: „Dann befahl er ihnen, den Leuten zu sagen, sie sollten sich in Gruppen ins grüne Gras setzen. Und sie setzten sich in Gruppen zu hundert und zu fünfzig.“ Die einzelnen Gemeindeteile bilden ein Ganzes. Jedes und jeder ist wichtig, niemand soll vergessen sein.
Diese Worte Jesu und unsere Deutung sollen uns über einen längeren Zeitraum begleiten. Wir sind uns bewusst, dass unser Hören und Deuten eine immerwährende Aufgabe ist. Dabei vertrauen wir auf Gottes Beistand, denn es heißt weiter: „Und alle aßen und wurden satt. Als die Jünger die Reste der Brote und auch der Fische einsammelten, wurden zwölf Körbe voll. Es waren fünftausend Männer, die von den Broten gegessen hatten.“ – ein Ergebnis und eine Fülle, die niemand für möglich hielt.

Feeding the multitude by Raffaellino del Garbo
Foto: Sailko (wikipedia)

